
Sind 7% Lohnforderung zu viel?
Verbraucherpreisindex seit 2020: +23%
Lohnsteigerung im ÖD seit 2020: +13%
Da sehen die anvisierten 7% in der jetzigen Tarifrunde gar nicht mehr so gut aus, wie man in vielen Reaktionen auf die Forderung herauslesen kann. Legt man rein die Inflation zu Gute, sieht es etwas besser aus, aber im normalen Alltag ist der Verbraucherpreisindex wohl relevanter.
Was passiert da eigentlich in so einer Tarifrunde des TV-L?
Die Arbeitnehmerseite wird durch ver.di und den dbb und deren jeweilige Tarifkommission vertreten. Die Arbeitgeberseite durch Vertreter der 15 Bundesländer (ohne Hessen), Letzteres nennt sich dann Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL). Allerdings übernimmt pro Tarifrunde immer ein Bundesland (bzw. ein Finanzminister) die Verhandlungsführerschaft der TdL. In dieser Runde ist das der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel.
In drei Verhandlungsrunden werden idealerweise Argumente ausgetauscht und Planungsszenarien entwickelt.
- 3. Dezember 2025 (bereits ohne Arbeitgeberangebot verstrichen)
- 15./16. Januar 2026 (Angebot: Inflationausgleich „und ein Schnaps obendrauf“)
- 11./13. Februar 2026
Es scheint zu einer seltsamen Tradition der TdL geworden zu sein, erstmal der Arbeitnehmerseite gar kein Angebot vorzulegen und alles auf die dritte Verhandlungsrunde zu setzen. Man kann nun spekulieren, ob die TdL dadurch ihr generelles Missfallen an einer gemeinsamen Lösung ausdrücken möchte, ein asymmetrisches Machtverhältnis darstellen möchte oder ob es einer Dramaturgie dienen soll. Vielleicht hat man auch etwas zuviel „Die Kunst des Krieges“ gelesen.
Eine Schlichtung wurde im TV-L im Übrigen nicht vereinbart, so dass nach einem Scheitern der dritten Verhandlungsrunde nur noch der Streik als letzte „Lösung“ bleibt.
